Verkehrsberuhigung und lokale Wirtschaft: rAVENUE liefert erstmals belastbare Evidenz für österreichische Klein- und Mittelstädte
Die innerstädtische Wirtschaft in österreichischen Klein- und Mittelstädten steht unter Druck: geändertes Konsumverhalten, die Konkurrenz durch Onlinehandel und periphere Shopping Center sowie die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie überlagern sich. Verkehrsberuhigende Maßnahmen spielen in diesem Umfeld eine wichtige Rolle – ihre Wirkung auf die lokale Wirtschaft ist bislang jedoch nur lückenhaft erforscht. Umgestaltungen von City-Geschäftsbereichen stoßen regelmäßig auf den Widerstand lokaler Wirtschaftstreibender, die Umsatzeinbußen durch eine eingeschränkte Pkw-Erreichbarkeit befürchten.
Internationale Studien legen demgegenüber nahe, dass die Bedeutung des Pkw-Verkehrs oft überschätzt wird, während Zu-Fuß-Gehende einen größeren Umsatzbeitrag leisten als angenommen. Gerade für österreichische Klein- und Mittelstädte – mit höherer Pkw-Abhängigkeit und schwächerem öffentlichen Verkehrsangebot – fehlt belastbare Evidenz nahezu vollständig.
rAvenue schließt diese Lücke durch die erstmalige systematische Untersuchung der wirtschaftlichen Wirkungen von Verkehrsberuhigung in österreichischen Städten bis rund 65.000 Einwohner:innen. Das Projekt folgt einer expliziten Wirkungskettenlogik – Verkehrsberuhigung führt über eine höhere Fußverkehrsfrequenz zu Effekten auf die wirtschaftliche Entwicklung – und setzt dafür ein innovatives zweistufiges Forschungsdesign um.
Die Detailanalyse im Längsschnitt (10-20 Städte) untersucht die ökonomischen Effekte im Vorher-Nachher-Vergleich anhand von Umsatzentwicklung, Fluktuation, Fußverkehrsfrequenzen, Branchenstruktur und Immobilienpreisen, vertieft um Einzugsbereiche und Kund:innenresonanz. Die Überblicksanalyse im Querschnitt (20-30 Städte) quantifiziert den Zusammenhang zwischen Verkehrsberuhigung und Fußverkehr auf breiter empirischer Basis, unter anderem mit disaggregierten Rasterdaten; ein Difference-in-Differences-Ansatz ermöglicht als quasi-experimentelle Strategie eine bestmögliche Annäherung an kausale Effekte.
rAvenue kombiniert dafür erstmals GIP-Zeitreihen (2017-2025), die Standortdatenbank von Standort + Markt, Mobilfunkdaten, rasterbasierte Erreichbarkeitsindikatoren, Modal-Split-Modelle (GENERATE), Walkability-Scores (NetAScore), Parkraumdaten und qualitative Primärerhebungen. Gender und Diversität sind als integrale Forschungsdimension verankert.
Im Ergebnis liefert rAvenue eine belastbare, nach Stadttyp, Maßnahmenart und raumstrukturellem Kontext differenzierte Evidenzbasis. Sie ermöglicht eine Versachlichung emotionalisierter Debatten und unterstützt künftige Umgestaltungsprozesse, deren wirtschaftliche Effekte sich damit besser vorab beurteilen lassen. Die Aufbereitung erfolgt zielgruppenspezifisch – als Policy Brief für politische Entscheidungsträger:innen, als Stakeholder-Factsheets für Wirtschaftstreibende und Planungsverantwortliche sowie als veröffentlichungsfähiger Endbericht. rAvenue leistet damit einen direkten Beitrag zur Überwindung einer zentralen Umsetzungsbarriere der Mobilitätswende.
Projektdauer
September 2026 - August 2027
Auftraggebende
Klima- und Energiefonds (Abwicklung FFG)
Leistungen der tbwr
Konsortialführung & Projektmanagement,
Lead Datengrundlagen Mobilität (GIP-Analyse, Erreichbarkeits- und Walkability-Indikatoren, Modal Split, Mobilfunkdaten),
Lead Überblicksanalyse Querschnitt (Difference-in-Differences, multivariate Statistik),
Mitarbeit: Detailanalyse, Hypothesenbildung & Synthese,
Projektbegleitung: Gender-Aspekte.
Projektpartner
Standort + Markt Beratungsgesellschaft m.b.H.,
november:city collective,
netwiss OG
Weitere Informationen
Transformator:in-Leitprojekt
Programm „Zero Emission Mobility Plus 2025“